Lasst es nie wieder so weit kommen!

Rede von Ortsvorsteher Lo Siegmund bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag am Eisenbacher Ehrenmal.

0
843
Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag am 17. November 2019 am Eisenbacher Ehrenmal (Bild bearbeitet).

„Vor 75 Jahren wurde in der Normandie eines der letzten Kapitel des zweiten Weltkriegs geschrieben. Mit 6400 Schiffen landeten im Juni 1944 über 300.000 Mann aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Polen, Frankreich, Kanada und Neuseeland zwischen der Ornemündung und Cherbourg. Ihr Auftrag war es, Kontinentaleuropa und auch Deutschland vom Joch eines faschistischen Unrechtsstaates zu befreien. Allein in diesen Kämpfen waren fast 400.000 Tote, Verwundete und Vermisste zu beklagen, Deutsche, Alliierte und Zivilisten. Insgesamt kostete der Zweite Weltkrieg über 60 Millionen Menschenleben.

Nur 25 Jahre früher wurde mit der Unterzeichnung der Pariser Vorortverträge der erste Weltenbrand des 20. Jahrhunderts beendet. In Flandern, der Champagne, an Marne und Isonzo waren die Waffen verstummt – aber auch die Münder von 16 Millionen Menschen, die aus diesem Fegefeuer nicht lebend zurückkehrten.

Ich habe sowohl an den Jubiläums-Feierlichkeiten zur Invasion in der Normandie in Arromanches und am Omaha-Beach als auch zum Armistice-Day, den Waffenstillstandsfeiern in Ypern in Flandern letztes Jahr teilgenommen. Es waren beeindruckende und erschütternde Momente, ergreifende Bilder und bewegende Reden. Die Aussage war immer klar und deutlich: Nie wieder dürfen wir ein solches Schlachten, ein solches Gemetzel zulassen.

Die Namen auf den Tafeln hinter mir erinnern uns an Väter, Söhne, Brüder und Ehemänner, die ihren Familien entrissen wurden, die niemals nach Hause kehrten. Hier gedenken wir ihrer, hier pflegen wir das Andenken an sie.

Die Namen der Millionen toten Zivilisten, der Alten, der Frauen, Mütter, Kinder, die im Bombenhagel auf Hamburg, Dresden, Frankfurt, London und Coventry, auf Guernica und Hiroshima und Nagasaki verbrannten, erstickten und unter Trümmern begraben wurden, stehen selten auf Tafeln an einem Denkmal. Sie stehen in den Herzen und Gedanken der Angehörigen geschrieben, die dieses Inferno überlebt haben.

Heute gedenken wir auch jener, die Opfer von Gewalt und Terrorherrschaft wurden. Deren Leben in Oradour, in Hadamar, in Birkenau, Sobibor, Treblinka und Auschwitz ausgelöscht wurde.

Sie gemahnen uns: Lasst es nie wieder so weit kommen!

Stehen wir gemeinsam und mutig gegen Hass, Neid, Intoleranz, gegen völkische Überhöhung und gegen religiöse Fanatiker, gleich welcher Herkunft.

Lasst uns unsere Menschlichkeit und unser Mitgefühl nicht verlieren, denn viele andere haben diese Werte schon verloren. Empathisch zu sein bedeutet nicht, kein Rückgrat zu haben – im Gegenteil – es ist oft viel schwieriger und anstrengender als nur dumpfe Parolen zu brüllen, denn es erfordert Nachdenken.“

Hinterlasse eine Antwort

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.