In den Jahren von 1309 bis 1317 gab es in Hessen und Thüringen mehrere teils lang anhaltende Hungersnöte und einen grassierenden „Hungertyphus“, der auch als „Fleckfieber“ oder „Kriegspest“ bezeichnet wird, aber nicht mit dem eigentlichen, durch Salmonellen verursachten Typhus abdominalis verwechselt werden sollte. Die Folge der extremen Hungersnöte war ein erheblicher Bevölkerungsrückgang, auch in unserer Region.

Zwischen 1347 und 1353 folgten mehrere Pestzüge, deren Ursprünge bis in das Gebiet der heutigen Mongolei und das Jahr 1331 zurückzuführen sind. Bei der Pest handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die im Mittelalter vor allem durch die Flöhe der Ratten und anderer wildlebender Nagetiere, wie Murmeltiere und Eichhörnchen, auf Menschen übertragen wurde, wodurch es zu einer sogenannten Zoonose kam. Erst am 20. Juni 1894 entdeckte der Schweizer Arzt und Bakteriologe Dr. med. Alexandre Émile Jean Yersin (1863-1943) in Hongkong das nach ihm benannte Pestbakterium Yersinia pestis. Die Ratten trugen als Zwischenwirte dieses Bakterium in sich, wurden von den Flöhen bei deren Blutmalzeit gebissen (nicht „gestochen“) und nahmen es auf diesem Weg auf. Starben die Ratten, befielen die 1,5 bis 3 mm großen Ratten- oder Pestflöhe (Xenopsylla cheopis) auch den Menschen, der eigentlich ein „Fehlwirt“ der Parasiten ist, und infizierten ihn. Dies bezeichnet man als „Wirtswechsel“. Der Infektionsweg der Beulenpest geht also ursprünglich von der Ratte aus, überträgt sich auf den Rattenfloh als Zwischenglied, der das Bakterium dem Menschen weitergibt. Der erkrankte Mensch infiziert den Menschenfloh und dadurch weitere Menschen. Eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch führt nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen zur tödlichen Lungenpest.

Viele Menschen flüchteten in Panik aus den betroffenen Städten und Dörfern, wodurch sich die Seuche umso schneller verbreitete. Mindestens 25 Millionen Menschen – etwa ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung – starben zwischen 1347 und 1353 an dieser großen Pest-Pandemie. Vor allem die Beulenpest war für das verheerende Massensterben im Spätmittelalter verantwortlich. Die Beulenpest wurde nach dem lateinischen Wort „bubo“ für Beule synonym auch „Bubonenpest“ oder „Schwarzer Tod“ genannt. Nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis sieben Tagen entstehen an den Stellen der Flohbisse Bläschen und Nekrosen, die sich blau-schwarz verfärben. Deshalb sprach man seit dem 19. Jahrhundert auch von „Schwarzen Blattern“ und vom „Schwarzen Tod“. Die Patienten bekommen am Hals, in den Achselhöhlen und Leisten sehr schmerzhafte eitrige Beulen (daher der Name Beulenpest), haben hohes Fieber, Schüttelfrost, Benommenheit und starke Schmerzen. Ohne medizinische Hilfe sterben sie meistens schon qualvoll nach 36 Stunden.

In Limburg gab es laut der „Lympurger Chronica“ des Johannes Mechtel (1562-1653) mehrere Pestzüge ab 1348/49. Von den 4.500 bis 5.500 Einwohnern Limburgs starben 1349 mindestens 2.500 Menschen. In der „Limburger Chronik“ heißt es dazu: „Und sturben zu Limpurg mehr dann 2400 Menschen, ausgenommen die Kinder.“ Andere Quellen sprechen von „mindestens einem Drittel Pesttoten unter der Stadtbevölkerung“. Im Jahr 1350 brach die Pest auch in den Nachbargebieten um Limburg aus, nicht jedoch in Eisenbach.

Weitere Pestfälle in Limburg sind in den Urkunden für die Jahre 1356, 1365, 1383 und 1395 verzeichnet. Es kam sogar in einem Jahr zu drei Pestausbrüchen hintereinander, wie in einer lateinischen Urkunde zu lesen ist: „in eodem anno erat tercia pestilencia“ („im selben Jahr war die dritte Pest“). Auch Frankfurt am Main und ganz Hessen wurden im Jahr 1356 von einer Pestepidemie heimgesucht.

Fast drei Jahrhunderte später kam es während des verheerenden Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zu Pestfällen. Im Jahr 1626 brachten die Truppen des Oberbefehlshabers der kaiserlichen Armee, Generalissimus Herzog Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein (1583-1634), die Pest in die Gegend des Goldenen Grundes. Das wegen seines besonders fruchtbaren gelb-grauen Lössbodens als „Goldener Grund“ bezeichnete Gebiet ist ein Naturraum im Taunus, der sich ungefähr von Limburg-Lindenholzhausen im Nordwesten bis nach Waldems-Esch im Südosten und von Hünfelden im Westen bis Selters-Münster im Osten erstreckt. Unter der Bezeichnung „Pest“ wurden allerdings immer wieder ganz unterschiedliche Krankheiten und Seuchen subsumiert, ohne dass es sich wirklich in allen Fällen um von dem Pestbakterium Yersinia pestis verursachte Erkrankungen handelte. Deshalb ist hier eine eindeutige wissenschaftliche Festlegung nicht möglich.

Sechs Jahre später, im Jahr 1632, unternahm schwedisches Kriegsvolk brutale Plünderungen und Brandschatzungen in Eisenbach. Die zusätzlich auftretenden Missernten gaben den hungernden Menschen den Rest, so dass sehr viele starben. Die Folge war, dass in Eisenbach von den 60 Einwohnern vor dem Dreißigjährigen Krieg 1648 nur noch 16 Personen lebten.

 

 

Literaturempfehlung:

Dr. Bernd A. Weil: Frondorf. Die Geschichte einer Wüstung in der Gemarkung Eisenbach im Taunus. Norderstedt 2018, S. 10-12, 54-55 u. 79

1 KOMMENTAR

  1. Eisenbach wird es schon schaffen, durch diese Zeit zu kommen um im Herbst ALLE zusammen die Kerb zu feiern! Corona packt uns nicht wenn wir alle etwas aufpassen und zusammen stehen….
    Es war schon kälter in Eisenbach, wie der Artikel es treffend beschreibt – Wenn es drauf ankommt haben die Eisenbacher es immer geschafft als Gemeinschaft zusammen zu halten, seien es Kriege, Pest und auch das Corona Virus… Eisenbach steht fest zu einander
    Bleibt alle gesund……………..

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