Die Eisenbacher Kerb

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Seit dem 9. Jahrhundert wurde allgemein der Jahrestag der Kirchweihe – der Kerb – auch ein weltliches Fest. Die Kirchweih hatte Jahrmärkte an sich gezogen, dazu Schaustellungen fahrender Leute und volkstümliche Vergnügen. Als Termin wurde der Herbst bevorzugt, so dass die Kerb oft mit dem Erntedankfest zusammenfiel. Ab dem frühen 16. Jahrhundert wurde allgemein zu Beginn des Festes der Kirchweihfriede durch die Territorialherrschaft ausgerufen, zu dessen Einhaltung, zum Kirchweihschutz, eigene Wächter bestellt waren. Zugleich wurde die Kirchweihfahne aufgezogen, und in rechtsbräuchlichem Zeremoniell begann der Kirchweihtanz im Freien. Er kreiste um die Dorflinde, einem Kirchweihbaum, einem bis zum Wipfelbusch entästeten hohen Stamm. Zuweilen hing daran unter der Spitze ein Kranz, an dem Gewinne für ein Wettklettern befestigt waren. Mit dem Niederlegen des Baumes bei Beendigung der Marktzeit wurde vielfach unter scherzhaften Trauerzeremonien die Kerb begraben.

Kirmesburschen 1984, im Jahr der 750-Jahrfeier

Sicher wurde auch in Eisenbach schon immer die Kerb in ähnlicher Weise gefeiert. Unsere jetzige Eisenbacher Kirche wurde am 25. September 1898 eingeweiht. So feiern wir jetzt alljährlich am 25. September unser Kirchweihfest; fällt dieses Datum auf einen Wochentag, so werden die Feierlichkeiten am folgenden Wochenende nachgeholt. Die Feierlichkeiten, sie werden von den jeweiligen Kerbe-Burschen veranstaltet, beginnen am Freitag mit dem Einschießen der Kerb: einem großen Feuerwerk mit anschließender Grillfete. Am Samstag wird der Kerbebaum geschmückt, feierlich durchs Dorf getragen und aufgestellt. Auf dem Kerbebaum ist der umkämpfte „Johann“ befestigt. Der Kerbetanz beginnt Samstagabend nach der Sonntag-Vorabendmesse, die nach Meinung der Kerbe-Burschen gehalten wird. Der Sonntag beginnt dann mit einem feierlichen Hochamt ‚unter Mitwirkung des Kirchenchores. Alle in der Ortsmitte1) aufgestellten Reitschul-, Auto-Scooter, Schieß-, Würstchen-, Waffel-, Schaukel- und Verlosungsgeschäfte tragen zur Feststimmung bei. Und die Kerbeburschen kurbeln eigentlich überall ein wenig die Stimmung an. Sonntagabend trifft man sich dann wieder beim Tanz. Kerbe-Montag ist immer Umzug, an dem alle Kerbe-Jahrgänge mit Fahnen und typischer Kleidung teilnehmen. Anschließend trifft man sich zum Frühschoppen und der traditionellen Kerbe- und Hammel-Verlosung. Der Erlös der Hammel-Verlosung wird schon seit langer Zeit grundsätzlich dem örtlichen Kindergarten zur Verfügung gestellt, was dann Dienstag nachmittags erfolgt. Wenn die Kerb begraben wird, muss der „Johann“ vom Baum geholt werden, und er wird zum Zeichen des Festendes verbrannt.

Von Gerhard Schuller (aus „Eisenbacher Heimatbuch“, 1984)

1) Heute auf dem Festplatz


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