Als Alfred Zimmermann 1909 als erstes Kind des Eisenbacher Maurers Philipp Zimmermann und seiner Frau Anna in Eisenbach geboren wurde, lag der letzte Krieg rund 40 Jahre zurück. Bis zur damaligen Zeit ein ungewöhnlich langer Zeitraum in Frieden. Der Schriftsteller Stefan Zweig beschreibt diese Zeit in seinem Buch „Die Zeit von Gestern“ als modern, gelöst, heiter und zivilisiert. Es schien, als sei die Zeit der Kriege endgültig vorbei.

Erster Weltkrieg

Doch wenige Wochen nach Alfreds fünftem Geburtstag begann der Erste Weltkrieg. In diesen Jahren starben zwei seiner jüngeren Geschwister. Und niemand konnte damals ahnen, was dieser Generation noch alles bevorstehen würde. Gegen Ende des Krieges breitete sich weltweit die Spanische Grippe aus. Eine Pandemie, die viele Millionen Menschen dahinraffte.

Die Eisenbacher Josef Hartmann, Alfred Zimmermann und Heinrich Hartmann (v.l.n.r) im Jahr 1930, als sie als junge Burschen fern der Heimat im Sauerland lebten und arbeiteten.

Die Zwanziger Jahre – auch die Goldenen Zwanziger genannt – schienen ein besseres Leben zu verheißen. Doch 1923 schossen die Preise nicht nur bei Lebensmitteln in astronomische Höhen. Ein Ei kostete 360, ein Liter Milch 320 Milliarden Reichsmark. Das Geld, das man am Vortag erhielt, war am nächsten Tag schon nichts mehr wert.

Weltwirtschaftskrise

Am Ende dieses Jahrzehnts begann eine beispiellose Weltwirtschaftskrise. In Eisenbach und der gesamten Region des Goldenen Grunds stieg die Arbeitslosigkeit immer weiter an. Nun war Alfred in einem Alter, wo er eine Ausbildungs- und Arbeitsstelle finden musste. Mit erst 17 Jahren musste er seine Heimat verlassen und zog nach Menden, wo er bei einem Großbauern lebte. Sein Onkel Johannes Böcher war als Jäger im Sauerland tätig und kannte dort viele Menschen. Er vermittelte Alfred Zimmermann eine Stelle im Unternehmen Baufa, der dort den Beruf des Maurers und Fliesenlegers erlernte.

Er war jedoch nicht der einzige Eisenbacher, der ins Sauerland zog. Peter Muth, Wilhelm Böcher und viele andere taten es ihm gleich.

Nachdem er seine Ausbildung beendet hatte, lernte er 1933 Franziska Wiemann kennen, die in der gleichen Firma arbeitete. Als beide 1936 heirateten und 1937 ihre Tochter Erika geboren wurde, schien das Glück perfekt. Alfred war nun 30 Jahre alt und hatte eine Familie, da brach der Zweite Weltkrieg aus.

Zweiter Weltkrieg

Da die Firma Baufa während des Krieges Waffen herstellte, blieb Alfred vom aktiven Dienst an der Front verschont. In den Waffenfabriken wurde jeder Arbeiter gebraucht.

Fabrikgelände der Firma Baufa in Menden heute. Zu den Besonderheiten gehörte damals, dass Alfred zu seiner Arbeitsstelle jeden Mittag regelmäßig der sogenannte “Henkelmann” gebracht wurde – sein Mittagsessen mit seiner Leibspeise Kartoffeln.

Während des Kriegs wurde Alfred Vater eines Sohnes, 1943 geboren und ebenfalls auf den Namen Alfred getauft.

Alfred Zimmermann (oben Mitte) als Fußballer

1950, fünf Jahre nach Kriegsende – die Bundesrepublik Deutschland war gerade 1 Jahr alt – baute Alfred Zimmermann in Menden ein Haus. In seiner Freizeit sang er gerne im Männerchor und besuchte in den nächsten Jahrzehnten regelmäßig seine Freunde und Verwandten in Eisenbach. Da er, wie so viele in seiner Generation, keinen Führerschein besaß, fuhr er mit dem Zug bis Aumenau, wo er dann mit dem Auto abgeholt wurde. Seine Großnichten und -neffen ließen es sich nicht nehmen, mit zum Bahnhof zu kommen und ihn zu begrüßen. An solchen Tagen hieß es immer: “Heute kommt Onkel Alfred”.

Sein Elternhaus stand in der Kirchstraße 7. Seine Schwester Anna (Inselanna) Jost, geb. Zimmermann, und sein Bruder Clemens Zimmermann dürften den älteren Eisenbachern noch bekannt sein.

Alfred Zimmermann starb mit 88 Jahren am 19. Juli 1997 in seiner Wahlheimat Menden.

Vorheriger ArtikelOnline-Umfrage

Hinterlasse eine Antwort

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.