Samstag, Juli 11, 2020

Die Grube

Die Bleierz- und Silberförderung in Eisenbach endete vor knapp 120 Jahren

Man blickt täglich darauf oder geht beim Spazierengehen vorbei. Ohne zu ahnen, was sich unter dem unscheinbaren Hügel verbirgt. Wer macht sich schon Gedanken über die Geschichte eines heute zugeschütteten Lochs, das von Bäumen umgeben ist und sich oberhalb einer von einem Landwirt genutzten Halle befindet?

Das Schild „Auf der Grub“ gibt den ersten Hinweis. Den älteren Eisenbacher Einwohnern ist natürlich bekannt, dass hier in früheren Zeiten nach Bodenschätzen gegraben wurde. Vorwiegend nach Bleierz und Silber.

Bereits die Kelten haben vor über 2.000 Jahren in unserer Region intensiven Bergbau betrieben. Z.B. in der Gegend, wo sich heute die Dörfer Haintchen, Hasselbach und Wolfenhausen befinden und noch weiter in östlicher Richtung. Das fand das hessische Amt für Landesarchäologie heraus.

Bedeutende oder wertvolle Funde keltischer Hinterlassenschaften, wie z.B. Schwerter, Helme oder Kunstgegenstände anderer Art wurden allerdings nicht gefunden.

Man hat unter anderem nach Eisen gegraben und abgebaut (der gleichnamige Eisenbach, der in der Nähe von Haintchen verschiedenen Quellen entspringt und sich dann zu einem einzigen Bach vereinigt, kommt nicht von ungefähr). Gleichwohl war das Eisenerzvorkommen wohl nicht so nachhaltig. Seit dem Mittelalter ist der Bergbau um Eisenbach sicher belegt. Es gibt in der Gemarkung Eisenbachs und auch Haintchens eine Anzahl an Stollen. Die meisten davon scheinen Probegrabungen der Neuzeit gewesen zu sein und sind daher nicht sehr tief. Zum Beispiel die sogenannte Schinderhanneshöhle aus dem 19. Jahrhundert, zwischen Haintchen und dem Hubertushof, wo man – wenn man der mündlichen Überlieferung glauben darf, nach Schiefer gegraben hat.

Eingang „Schinderhanneshöhle“

Es sei aber an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass ursprünglich ein Eisengitter angebracht war, welches irgendwann von Unbekannten vermutlich mutwillig entfernt worden ist. Man kommt nur hockend in die Höhle, bzw. kriechend. Sie ist ca. 20 Meter lang ist (zum Reingehen ist eine Lampe sehr von Vorteil) und dient vermutlich als Ruheort für Fledermäuse, die sehr scheu sind und gestört werden, wenn Menschen hinein gehen.

Die technischen Mittel im Mittelalter und frühen Neuzeit waren begrenzt. Jene „Grube Vereinigung“ am Sportplatz ist aber die bekannteste und zugleich bedeutendste in der Eisenbacher Gemarkung. Anscheinend wechselten sich die Zeiten ab, in denen Erz gefördert wurde oder die Grube brach lag. Im 19. Jahrhundert hat man mit den damaligen modernen Mitteln tiefer gegraben und für ein paar Jahre nochmals Bleierz und Silber geschürft. 1901 wurde sie endgültig stillgelegt. Der Ertrag war nicht (mehr) rentabel und der Niederselterser Brunnen befürchtete eine Beeinträchtigung bezüglich der Förderung des Selterswassers.

Die Stollenlänge betrug insgesamt 480 Meter, der Maschinenschacht war 52 Meter tief.

Die Grubenkarte wurde uns freundlicherweise von Peter Schöning zur Verfügung gestellt. Auf der Webseite http://taunusmineralien.de/grube-vereinigung-eisenbach.html, kann man sie in voller Größe ansehen. Eine etwas genauere Beschreibung der Historie der Grube Vereinigung findet sich ebenfalls im Artikel Eisenbach, der oben genannten Webseite, so z.B. wie viele Arbeiter hier ihren Lohn verdienten, sowie eine detaillierte Beschreibung der nachgewiesenen Mineralien der Grube Vereinigung, inklusive ein Foto der Halde aus dem Jahr 1986.

Daten und Fakten

Geschichtlich erwähnt wurde das Bleierzbergwerk bei Eisenbach 1586 als Grube „Unserer lieben Frau“, in einem Protokoll.

1891 arbeiteten 1 Steiger, 1 Zimmerhauer und 9 Mann unter Tage, sowie 8 Frauen und 21 Kinder über Tage.

Ende 1891 arbeiteten 15 Mann unter Tage und 14 Frauen und 38 Kinder über Tage. Der Stollen war zu diesem Zeitpunkt 346 Meter lang. Im August war eine Stollenlänge von 480 Meter erreicht.

Anfang 1900 waren 37 Mann beschäftigt, am Ende des Jahres nur noch 8, weil man den Tiefbau stilllegte. Es wurden 1900 45 Tonnen Bleierz gefördert.

Ungewöhnlich war, dass man 2 Eingänge (Schächte) gegraben hatte. Einen neueren (Maschinenschacht) neben dem Alten. Warum ist nicht festgehalten. Inzwischen ist der Komplex allerdings so verwildert und zugewachsen, dass man nur vermuten kann, wo sich die beiden Eingänge befanden.

Hier ein Foto, das die Überreste des sog. Wasserlöserstollen zeigt. Es handelt sich hierbei nicht um die Halde selbst. Ein Wasserlöserstollen ist quasi eine Art Abfluss für eingedrungenes Grundwasser. Allerdings kann man auch hier nur schwer erahnen, dass dies einmal ein Stollen war.

Das Foto oben in der Mitte zeigt den noch unbewachsenen Erdhügel. Dahinter, also zwischen Hügel und dem Eisenbach, befand sich eine – sagen wir mal – größere Pfütze, in der die Eisenbacher Kinder planschen konnten.

Und dies hier (Fotos unten) soll – laut Aussagen von älteren Eisenbacher – der Notausgang gewesen sein. Aufgenommen vom Weg, der zum Hof Hausen führt.

In der Grubenkarte von taunusmineralien.de sind tatsächliche Gänge eingezeichnet, die zur besagen Stelle führen. Auch der Wasserlöserstollen gegenüber der Forsthütte ist eingezeichnet.

Gesamtbild der Grube mit grob geschätzten Ausmaßen:

Hier eine historische AK von Foto-Schorn Mitte der 1950er Jahre. Wie zu erkennen ist, gab noch nicht soviel Vegetationswuchs wie heute. Roter Kreis, leider nicht erkennbar, der Erdhügel und Blauer Kreis, die Halde:

Gesamtdarstellung anhand von opentopmap:

Die Mineralien

Unter Mineraliensammlern war hauptsächlich die Grube Vereinigung dafür bekannt, verschiedene Mineralien zu finden.

Eine Besonderheit der Silbergrube bildet das Mineral Pattersonit. Es ist nur wenige Millimeter groß und für nichts zu gebrauchen. Es ist einfach da. Trotzdem ist das Mineral Pattersonit so einmalig und einzigartig, dass es bis 2012 nur in der Grube Eisenbach nachgewiesen wurde. 2012 konnte man Pattersonit bei einer Grube im Westerwald nachweisen. Somit sind derzeit weltweit (!) nur 2 Gruben bekannt, in denen Pattersonit nachgewiesen wurde. Es ist sogar so selten, dass es auch in Eisenbach nur einmal nachgewiesen werden konnte. Finder war der Herr Peter Schöning aus Niederkassel (bei Köln).

PATTERSONI

Das Magazin MINERALIEN-Welt 4/2008 Jubiläumsheft verfasste eine kleine kurze Beschreibung über Pattersonit der Grube Vereinigung.

Mittlerweile hat es sich in einschlägigen Internetforen herumgesprochen, dass es um die Halde und auf den Äckern herum nichts mehr zu holen gibt, da diese bereits intensiv abgesucht wurden. Und somit ist sie nicht mehr interessant genug.

Unter den bisher gefundenen Mineralien der Grube Vereinigung bildet das Mineral Pyromorphit das meist gefundene Mineral ab. Hier im mineralogischen Museum Marburg an der Lahn dauerausgestellt. Dahinter links und rechts, ebenfalls Pyromorphitfunde aus Eisenbach. Pyromorphit kommt weltweit vor und ist daher sehr oft anzutreffen.

Weitere Gruben in Eisenbach

Aktie „Neue Hoffnung II“

Zudem war eine Grube (Steinbruch) im Steinfels an der B8 im Betrieb, wohl aber nur von kurzer Dauer. Eine kurze Beschreibung dieser Grube befindet sich auch auf taunusmineralien.de im gleichen Artikel Eisenbach. Neue Hoffnung II inklusive 2 Fotos von innen. Diese sind insofern interessant, da man so einfach keine Fotos mehr wird machen können, da irgendwann zwischen den Jahren 2002 und 2010 der Eingang aus Sicherheitsgründen zugeschüttet wurde. Für diese Grube wurden sogar sogenannte Kux-Scheine ausgegeben, ein anders Wort für Bergwergaktien. Im Internet wurde diese abgebildete Aktie zur Versteigerung gefunden. Startgebot lang bei über 400 Euro. Verkauft wurden sie für über 600 Euro. (Der Autor hat sie nicht gekauft. Irgendjemand hat sie ersteigert) Auf Nachfrage beim Auktionator, war diese Aktie bis dato unbekannt. Eine weitere Aktie dieser Ausschüttung ist bei dem Auktionator, der sich auf Bergwerkaktien spezialisiert hat, bis dato nicht wieder aufgetaucht.

Einen Steinbruch gab es auch im Bereich Festhalle/Arndt-Haus.

Nicht vergessen sollte man die Tongrube Töpferkaut. Hier wird seit 1960 Ton abgebaut und das Vorkommen reicht noch für Generationen/Jahrhunderte.

Tongrube „Töpferkaut“

Hier noch eine Quelle zu 2 Spezialkarten über Gruben und Mineralarten in der Gemarkung Eisenbach aus dem Jahr 1881, nebst dazugehöriger Erläuterung. Die Erläuterung ist ziemlich umfassend uUnd ist wirklich nur Geologie/Mineralogie-Interessierte interessant.

https://e-docs.geo-leo.de/handle/11858/7545

In der Karte GK25_NeueNr.5615-II_Eisenbach_[Lagerstätten]_[1885]_FID GEO ist die Schinderhanneshöhle als „Leocadia“ eingezeichnet, ganz in der Nähe der ehemaligen Haintchener Mühle. Offenbar benannt nach der heiligen Leocadia, eine spanische Heilige. Die Überlieferung besagt, dass sie in den Christenverfolgungen des römischen Kaisers Diokletian am 9. Dezember vermutlich des Jahres 304 das Martyrium erlitt.

Durch Anklicken der Karte gelangt man zu der oben genannten Webseite, wo man zwei herunterladen kann.

Ganz anders stellte sich der Bergbau in der Nachbargemarkung Münster dar. Hier wurde über einen längeren Zeitraum bis Juni 1970 Bergwerk betrieben. Der Geschichtsverein Münster hat eine kleine Abteilung in seinem Heimatmuseum. Zudem bilden zwei Bergwerkshammer das Wappen von Münster.

Christian Heinz

Share

Hinterlasse eine Antwort

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.