Zu den Ereignissen sind folgende Zeugnisse mündlich überliefert worden, die nicht im Heimatbuch von 1984 enthalten sind. Erzählt von Nachfahren der Zeitzeugen, die die Gruppe Einst und Jetzt für die Nachwelt als Zeugnisse bewahren möchte. Den Opfern zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung und Erinnerung.

Wilhelm Becker ging mit seinen Angehörigen schutzsuchend in den Keller seines Hauses. Kurz zuvor hatten seine Nachbarn gefragt, ob sie ebenfalls in seinen Keller durften. Dies hatte er bejaht. Da die Nachbarn aber nicht direkt kamen, teilte er seinen Angehörigen im Keller mit, er wolle mal schnell nach ihnen gucken und ging die Kellertreppe hoch. Plötzlich vernahmen die im Keller verbliebenen Angehörigen eine Detonation in der Nähe ihres Hauses. Sie gingen daher sofort hoch und erblickten den Wilhelm Becker liegend auf der Türschwelle. Er war gänzlich unverletzt. Lediglich eine Wunde an der Stirn, aus der Blut rann, zeugte von seinem sofortigen Tod.

Agathe Schmidt hielt sich mit anderen Eisenbachern in der Nähe des Ehrenmals auf, als in der Nähe etwas explodierte (Vermutlich war bis kurz zuvor eine etwas längere Feuerpause). Sofort rannte sie mit den anderen Eisenbachern in den Keller der nahen gelegenen Kirche. Nach den Erzählungen eines Eisenbacher Zeitzeugen, der zu diesem Zeitpunkt ca. 5 Jahre alt war, teilte sie den Umstehenden kurz darauf mit, dass es ihr gar nicht gut gehe. Sie fiel sodann um. Ein winziger Splitter einer Granate war in Ihre Brust eingedrungen und verletze eine Arterie am Herz, was sie zwar nicht sofort tötete, aber auch nicht mehr lange am Leben lies, so die Aussagen des später hinzugerufenen Arztes.

Haus Ecke Kleine Kirchstraße/ Bachstraße. Die Bewohner des Hauses suchten im Rübenkeller des Nachbarhauses Schutz. Während einer Feuerpause ging die Hausfrau des Hauses Ecke Kleiner Kirchstraße/Jahnstraße in ihr Haus zurück um schnell noch etwas zu kochen. Sie verließ anschließend ihr Haus um wieder in dem Nachbarhaus Schutz zu suchen. Währenddessen bemerkte sie, wie etwas in das Dach flog. Später stellte man fest, es war ein sogenannter Nachbrenner einer Granate (Teil, welches eine Leuchtspur erzeugt, aber nicht die Granate zur Explosion bringt). Dieser fiel im Flug von der Granate ab und durchschlug das Dach und fiel in die Küche des Hauses. In jener wo kurz zuvor die Hausfrau noch war. Dieser Nachbrenner explodierte nicht und erzeugte auch keinen Brand. Wäre die Frau von dem Teil getroffen worden, hätte sie tödlich verletzt werden können.

1945 endete Eisenbach südwestlich an der heutigen Ecke Jahnstraße/Elisabethenstraße. Taunusblick und Hohlweg, oder gar die Schwester-Blithmunda-Straße existierten noch nicht. Eine Truppe von SS-Soldaten rastete im Feld (in der heutigen Elisabethenstraße). Eine Eisenbacber Bürgerin schenkte einem jungen SS-Soldaten Zivilklamotten und versteckte dessen SS-Uniform, damit dieser desertieren konnte. Ein Teil der Soldaten verschwand nordöstlich, der andere Teil südöstlich um den Kampf fortzuführen.

Aus verschiedenen Berichten ist bekannt, dass Soldaten der Waffen-SS Nord die deutschen Zivilisten oft mit der Waffe bedrohten, wenn diese die weiße Fahne hissten. Zum Beispiel in Camberg, wo Camberger weiße Fahnen wieder herunternehmen mussten. Aber auch in Eisenbach musste ein Eisenbacher die weiße Fahne auf Aufforderung eines SS-Soldaten, der das Gewehr im Anschlag hatte, wieder entfernen.

Angaben aus dem Sterbe-Zweitbuch des Standesamt Eisenbach, Ausgabe 1945, welche im Internet einsehbar ist. Abschrift von 1946:

Eintrag Nr:17
Der Maurer Wilhelm Becker, wohnhaft in der Hindenburgstraße 3 (heutige Grabenstraße) ist am 29. März 1945 um 13 Uhr in Eisenbach vor seiner Wohnung gefallen. Der Verstorbene war geboren, am 30 Juli 1891 in Eisenbach. Eingetragen auf mündliche Anzeige der Anna Bäcker, wohnhaft in vorgenannter Wohnung. Sie erklärte, dass sie bei dem Tode zugegen gewesen sei.

Eintrag Nr:18
Der Schüler Benno Willi Falkenbach wohnhaft in der Kirchstraße 41 ist am 12. April 1945 um 9 Uhr30 in Eisenbach in seiner Wohnung verstorben. Er war geboren am 12. November 1929. Eingetragen auf mündliche Anzeige der Ludwina Zimmermann, wohnhaft in der Kirchstraße 43. Sie erklärte bei dem Tode zugegen gewesen sei. Todesursache: Verwundung.

Gedenkstein für die fünf zivilen Opfer vom 29.3.1945

Eintrag Nr:16
Der Stuckateur Moritz Maurer, wohnhaft in der Bergstraße 30, ist am 29 März 1945 um 14 Uhr in dieser Wohnung gefallen. Er war geboren am 15. November 1890 in Erbach. (Taunus). Eingetragen auf mündliche Anzeige der Ehefrau.

Eintrag Nr:14
Die Agathe Katharina Schmidt, wohnhaft in der Bachstraße 5, ist am 30. März 1945 um 9 Uhr in der Kirche verstorben. (Offenbar gab es bis in den Morgenstunden des 30. März noch Beschuss) Die Verstorbene war geboren am 30 Juni 1924 in Eisenbach. Eingetragen auf mündliche Anzeige des Vaters.

Eintrag Nr:15
Der Kraftfahrer Hermann Karl Wirth, wohnhaft in Bergstraße 20 ist am 29. März 1945 in dieser Wohnung gefallen. Der Verstorbene war geboren am 8. Oktober 1912 in Köln. Eingetragen auf mündliche Anzeige der Ehefrau.

Dies waren die offiziellen fünf Opfer, welche lediglich mit ihren Namen, ohne sonstigen Angaben auf dem Gedenkstein auf dem hiesigen Friedhof verewigt wurden. Vier haben als Todesursache „gefallen“ 29./30. März und nur einer „Verwundung“, 12. April. Im Sterbezweitbuch findet sich noch folgender Eintrag:

Eintrag Nr: 19
Die Elisabeth Franziska Schnierer ohne Beruf, wohnhaft in Wilhelmstraße 53 ist am 13. April 1945 in ihrer Wohnung verstorben. Sie war geboren am 18. Juni 1928. Eingetragen auf mündliche Anzeige der Mutter. Todesursache: Kreislaufschwäche nach Verwundung.

Vermutlich wurde diese entweder am Gründonnerstag (29.03) oder am Karfreitag (30.03) wie Benno Falkenbach verwundet. Wenn dem so wäre, lässt sich nicht mehr feststellen, warum Elisabeth Schnierer nicht zu den Opfern des Beschusses gezählt wurde.

Christian Heinz

*Das Luftbild zeigt eine Aufnahme von Eisenbach vom 22.2.1945

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