Rötlich schimmert die Erde, schon von der Landstraße aus ist die Grube auszumachen. Auf etwa zehn Hektar Fläche haben sich über die Jahre und Jahrzehnte Bagger durch die Erde gegraben und ein großes Loch entstehen lassen. Es ist der – vor allem im Westerwald und Limburger Becken sowie in kleineren Gebieten im Taunus – vorkommende Rohstoff Ton, der hier abgebaut wird. Es ist ein Rohstoff, der lebenswichtig und aus unserem Alltag kaum wegzudenken ist: Egal ob die Ziegel auf dem Dach, die Fliesen in Haus und Wohnung, unsere Waschbecken oder aber die einfache Kaffeetasse – in all diesen Produkten kommt Ton zum Einsatz.
Hauptabnehmer des Eisenbacher Tons ist die grobkeramische Industrie. Die rotbrennenden (kaolinisierten) Schiefertone „sind durch aufsteigende mineralische Wässer ausgelaugt, haben einen hohen Alkaligehalt, besitzen eine gute Trockenbiegefestigkeit und eine stabile rote Brennfarbe bei geringen Anteilen von organischem Material“, heißt es in der Firmenchronik der Stephan Schmidt Gruppe. Diese erwarb 1988 die Lagerstätte im Taunus. Der Rahmenbetriebsplan wurde 1991 zugelassen. Seitdem baut sie den Ton in Eisenbach ab. Mit dem Abbau wurde allerdings bereits 1966 begonnen. Bestimmte Sortierungen aus den Eisenbacher Schiefertonen finden im Erden- und Substratbereich Anwendung, heißt es in der Firmenchronik weiter.
Die aktuelle Jahresförderung des Betriebs beträgt ca. 60.000 Tonnen. Wie viele LKW täglich beladen werden, variiert sehr stark, da die Produkte aus der Grube einem Saisonprofil unterliegen. Dabei liegen die Hauptabsätze im Winter und Frühjahr, wohingegen der August der ruhigste Monat ist. Das steht im Zusammenhang mit dem Kundenbedarf, welche die Tone z. B. in großen Gewächshäusern einsetzen, um dort Blumen für den Frühling vorzuziehen.

Tonvorkommen und -abbau im Taunus und im Limburger Becken
Im Raum zwischen Limburg, Idstein und Aarbergen konzentrieren sich die Tonvorkommen. Hier finden sich deshalb auch die Ton-Lagerstätten. Diese bestehen „aus tiefgründig zersetzten Gesteinen des Devons (Saprolite, sog. „mesozoisch-tertiäre Verwitterungsrinde“, MTV)“, besagt der Fachbericht Tonrohstoffe des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie.
Der Tonschiefer, der in Eisenbach gewonnen wird, ist durch die tiefgründige Verwitterung paläozoischer Gesteine des Devons entstanden. Ursprünglich wurde dieser Ton für die Herstellung von Ziegelei-, Baukeramik- und Feinkeramik-Erzeugnisse verwendet.
Im Tagebau werden diese saprolitischen Tone selektiv durch Tieflöffelbagger gewonnen, schließlich per Lkw abtransportiert. „Der Rohton wird entweder unzerkleinert, geschreddert, zusätzlich gesiebt oder getrocknet und gemahlen abgegeben. Saprolitische illitisch-kaolinitische Tone des Taunus wurden früher v.a. in der Papierindustrie und als Füllstoffe eingesetzt. Heute werden sie überwiegend als Grund- und Zusatzstoffe für die grob- und feinkeramische Industrie gewonnen, z.B. zur Herstellung von Klinker-, Ziegel- und Fliesenkeramik oder für keramische Gießmassen“, so der Fachbericht des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie.
Geologische Verhältnisse und Bedingungen in Eisenbach
Das Gebiet, das heute Eisenbach heißt, war vor mehr als 380 Millionen Jahren Teil des Weltmeeres. Sand und Tonschlamm des nächsten Kontinents trug das Wasser hierher. „Feinste glimmerreiche Tonschlämme“ lagerten sich ab, verbunden mit eisen- und kieselsäurenreichen Lösungen. Die sogenannten Eisengallenschiefer, die dem Eisenbach und unserem Ort wohl den Namen gaben, bildeten sich.
Etwa 80 Millionen Jahre später faltete sich der Meerestrog, in dem sich das Material ansammelte, zu einem Gebirge auf.
Die Lagerstätte in Eisenbach liefert rotbrennende (kaolinisierte) Schiefertone. Sie sind wie folgt charakterisiert: ein hoher Alkaligehalt, eine gute Trockenbiegefestigkeit und eine stabile rote Brennfarbe, ein geringer Anteil von organischem Material. Daher ist der Eisenbacher Ton hauptsächlich in der Keramikindustrie (Baukeramik: Klinker, Dachziegel etc.) und in der Herstellung von Substraten, Blumen- oder Anzuchterden etc. geeignet.
Hauptabsatzländer sind – neben Deutschland – die Niederlande, Österreich, Tschechien, Italien, Frankreich, Belgien und Lettland.
Wie lange wird noch abgebaut und was passiert danach?

Das Regierungspräsidium Gießen, das die Bergaufsicht führt, hält in seiner Auskunft fest: „Die noch verfügbaren bzw. nutzbaren Tonvorräte des Tagebaus in seinen aktuellen Grenzen sind stark abhängig von der tatsächlichen Fördermenge im Hinblick auf das konjunkturelle Umfeld sowie die nachgefragten Qualitäten.“ Daher sei eine Aussage über die verbleibende Nutzungsdauer des Tagebaus schwierig.
Die erste Erweiterung der Tongrube wurde 2002 vorgenommen, die zweite dann genau zehn Jahre später. Im Herbst 2024 wurde bekannt, dass die Grube „Töpferkaut“ nochmals um 14,6 Hektar erweitert werden soll. In einer Gemeindevertretersitzung sei mitgeteilt worden, dass die naturschutzrechtlichen Untersuchungen ca. ein Jahr lang dauern würden. In drei bis vier Jahren solle das Vorhaben abgeschlossen sein. Es sei nicht geplant, die Tongrube Richtung Bachlauf, Bachufer-Gehölz und Gehölz im Norden auszuweiten, heißt es in einem Pressebericht.
„Aktuell prüfen wir eine Erweiterung der Grube in Eisenbach, worüber wir den Bürgermeister und den Gemeindevorstand in 2024 informiert haben. Die Grube wird auf jeden Fall noch viele Jahr in Betrieb bleiben. Finales Ziel der Grube wäre (auch laut Wunsch der Gemeinde) eine Wiederherstellung der Geländeoberkante durch Rückverfüllung mit unbelastetem Erdaushub, sodass die Flächen im Anschluss erneut landwirtschaftlich genutzt werden können“, so der Geschäftsführer Stephan Schmidt. Laut Heimatbuch Eisenbach ist jene „Rückverfüllung“ allerdings ausgeschlossen. So heißt es 1984: „Eine Wiederverfüllung der Tongrube scheidet mangels verfügbarer Masse von erdigen Materialien aus. […] Der verbleibende offene Grubenraum wird sich im Laufe der Jahre mit Tageswasser füllen, so daß eine größere Teichfläche – eine Wasserfläche ist jetzt schon vorhanden – entstehen wird.“
Quellen:
Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (2006): Rohstoffsicherungskonzept Hessen. Fachbericht Tonrohstoffe.
Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Tonrohstoffe. https://www.hlnug.de/themen/geologie/rohstoffe/mineralische-rohstoffe-in-hessen/ton# (letzter Zugriff: 04.03.2025).
Regierungspräsidium Gießen: Schriftliche Auskunft des Dezernats 44.1 Bergaufsicht vom 01.04.2025.
Stephan Schmidt KG: Schriftliche Auskunft vom 29.04.2025.
Stengel-Rutkowski, Witigo (1984): Die geologischen Verhältnisse im Gebiet von Eisenbach. Heimatbuch 750 Jahre Eisenbach. S. 6-9.
Hackert, Petra (2024): Grube „Töpferkaut“ Eisenbach plant Erweiterung. Nassauische Neue Presse. 16.10.2024.
Heimatbuch 750 Jahre 1234-1284 Eisenbach: Aus der Flurgeschichte, Flurnamen mit Gemarkungskarte, von Berthold Hartmann/Heinrich Bachmann. S. 77/78.
Farbfotos Tongrube (c) Thorsten Wagner




