Als 1945 endlich der 2. Weltkrieg zu Ende war, kehrte auch in Eisenbach das normale Leben wieder langsam zurück. Am 2. Weihnachtstag 1945 war dann der erste Ball im Saal von Berninger (Schumasters). Die Musik machte Adam Ost und Anton Jost. (Schlagzeug und Bandoneon) als im folgenden Jahr die Fastnacht anfing, wurde wieder bei Berningers getanzt. Diesmal spielten wir zu dritt, denn ich durfte auch schon mit der Klarinette mitspielen. Ich war ja auch schon fast 15 Jahre alt.

Eine Amizigarette kostete im Schwarzhandel tatsächlich 5 RM.

1947 spielten wir dann mit verstärkter Kapelle zur Eisenbacher Kirmes. Diese Veranstaltung war dann die erste beim „Ewald“ (Saalbau Gattinger). 1948 haben sich die meisten Jugendlichen (auch einige der Älteren) in der Fastnachtszeit maskiert und sind jeden Abend von Haus zu Haus gezogen. Wenn wir dann bei uns zu Hause in der „Hennergass“ (Wilhelmstr. 60) zur Probe Musik gemacht haben, waren alle Maskierten im Haus und Hof.

Nun kam 1948 die Währungsreform und es gab wieder gutes Bier.

Die abendlichen Maskierungen wurden von Jahr zu Jahr immer mehr, so dass wir 1949 drei Wochen vor Fastnacht mit 2 Mann jeden Abend beim „Balzer“ in der Wirtschaft Musik machten. Bei „Phillips Wilhelm“ wurde der Haustür reingetanzt und hinten durch die Küche wieder raus in den Hof getanzt. In Eisenbach gab es derzeit 10 Wirtschaften, die von den Maskierten alle besucht wurden:

• „Steinebachs“
• „Ewald“
• „Böse Jab“
• „Phillips Wilhelm“
• „Liese Ewald“
• „Schumasters Willi“
• „Balzer“
• „Kneiperheine“
• „beim Ib“
• „Förster Kaiser“

Auch bei den Umzügen an Fastnacht und Kirmes wurden die Wirtschaften natürlich alle besucht.

Eisenbacher Blaskapelle“ (Mit Prinzengarde)

1951 gründete ich die Kapelle „Schlager-Echo“, die nun viele Jahre an fast allen Veranstaltungen in Eisenbach spielte. Die Kapelle bestand 45 Jahre und war weit bekannt.
Der Club der Theaterfreunde machte nun mit großem Erfolg, die ersten bunten Abende und der Schützenverein „Roland“ veranstaltete nun die größten Maskenbälle, die es je in  Eisenbach gab. (Kleine Episode: Der Saal war überfüllt und das Publikum machte Polonäse, die Musik voran, ging es aus dem Saal bis zum Clemens-Langenhof-Platz und wieder zurück in den Saal.)

Der gut besetzte Fanfaren-und Spielmannszug des Turnvereins „Frisch Auf“ (Leitung: Josef Ost) (!963 Festumzug – Turnerfest in Würges)

Der Karnevalverein, den es leider heute nicht mehr gibt, veranstaltete große Karnevalsumzüge, die weit über die Grenzen von Eisenbach bekannt waren.
Ich habe damals für die Prinzengarde 12 Holzgewehre gemacht (Einige stehen heute noch im Schützenhaus.) und für die Musikkapelle die Uniformen erstellt. (siehe Bild). In dieser närrischen Zeit habe ich dann für die „Eisenbacher Narren“ das Lied „Eisenbach Helau“ komponiert und meine Frau Christel schrieb den Text. In den folgenden Jahren gab es keine Karnevalsveranstaltung ohne das Lied „Eisenbach Helau“

„Eisenbacher Blaskapelle“ (Als Cowboys 1951 mit Altbürgermeister Köhler)

Auch der Turnverein „Frisch Auf“ trat in den 50er Jahren schon gut in Erscheinung. Bei den Turnerfesten in umliegenden Orten war unser Fanfaren-und Spielmannszug immer gern gesehen.

Noch eine Anmerkung:
Da in letzter Zeit viel über die Bombe, die im 2. Weltkrieg in Friedhofsnähe abgeworfen wurde, geredet wurde, werde ich dazu folgendes sagen: Es war Ende 1944. Ich war mit meinem Freund Helmut Jost auf dem Berg, wo wir fast jeden Tag waren. Da sahen wir, dass über Camberg ein Luftangriff begann. Es wurde ein im Bahnhof stehender Zug angegriffen. Als dieser zu Ende war kam ein einzelnes Flugzeug genau über uns und löste eine Bombe aus. Wir schmissen uns neben dem Annabild in einen Graben und sahen der Bombe zu, wie sie genau auf dem heutigen Sonnenring explodierte und einen tiefen Krater hinterließ. So haben wir es gesehen.

Von Josef Ost

Hinterlasse eine Antwort

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.