Wie ein 7-Jähriger 1945 den Beschuss auf Eisenbach erlebte

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29. März 1945, Gründonnerstag
Wir wohnen in der Hindenburgstraße 8 (heute Grabenstraße). Mein Bruder Josef wird heute 10 Jahre alt und die Schule fällt heute aus.

08:00 Uhr  
Frühstück in gedrückter Stimmung. Die Notvorsorge ist vorbereitet, um mit Handgepäck unser Haus zu verlassen. Gespräche mit unseren hilfsbereiten guten Nachbarn führten zu der Einsicht, in der Not zusammen zu rücken (massiver Keller).

09:00 Uhr
Die ersten Schüsse fallen, wir verlassen fluchtartig unser Haus über die Straße zu Familie Franz Zimmermann, Hausnummer 7.

11:00 Uhr    
Der Beschuss von Eisenbach beginnt mit schweren Waffen. Die Einschläge sind weiter und näher, bis ein Treffer unser Fluchthaus über dem Treppenhaus trifft. Der Einschlag und der blitzartige Feuerschein ist Gewissheit für eine Phosphorgranate. Die Schreie „raus, raus“ wird man nie vergessen. Der massive dunkle Treppenaufgang glitzerte gelb-weiß vom Phosphorpulver. Auf der Straße wurde Margret Gattinger durch einen Granatsplitter am Bein schwer verletzt. Wir flüchteten zu unseren Nachbarn Heinrich Hartmann/Paula Ott in den Keller von Hausnummer 10. Opa Heinrich berichtet meiner Mutter, dass auch unser Haus getroffen worden ist.

Gegen 15:00 Uhr ist der Beschuss beendet. Wir – Mutter, Josef und ich – verbringen den weiteren Tag und die Nacht bei unseren Nachbarn im Keller.

30. März 1945, Karfreitag
Wir sehen uns unser beschädigtes Haus an. Der Granateinschlag hat auf der Nordseite das Dach, die Außenwand und die Fenster aufgerissen. Küchenschrank und Eckbank sind kaputt, nur der Frühstückstisch steht noch.

 

Gez. Manfred Reichwein

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