Schule anno 1800

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Während der Jahre von 1629 bis 1829 waren die äußeren Schulbedingungen dieselben geblieben. Die obere Schule (5. bis 8. Schuljahr) zählte 1829 84 Kinder, die untere Schule (1. bis 4. Schuljahr) hatte 105 Kinder. Zur Unterrichtung standen 1 Lehrer und 1 Lehrgehilfe den Kindern zur Verfügung. Im wöchentlichen Wechsel wurde die untere Schulklasse vormittags und die obere Schulklasse nachmittags unterrichtet.

Die alte Schule bestand aus einem Klassenraum. Über dieses Gebäude, das Klassenzimmer, die Lehrgegenstände, Lehrmittel und über den Schulbesuch zur damaligen Zeit wird in der Schulchronik I folgendes berichtet:

Ehemalige Volksschule Eisenbach. Erbaut 1829, geschlossen 1968.

„Das Schulhaus zu Eisenbach stand gegenüber der jetzigen Bäckerei Bös neben dem an der alten Kirche gelegenen Friedhof. Der Eingang war an der Nordseite. Man kam zuerst in die Küche und von hier aus in das Lehrzimmer. Von diesem aus ging man in ein Wohnstübchen. Von der Küche aus führte eine Treppe in den oberen Stock, wo noch ein dem Lehrer gehöriges Stübchen und das Ratszimmer lagen. Unter dem Haus war ein Keller und ein Gefängnis für Polizeiverbrecher. Vor diesem ein öffentlicher Pranger. Zur Lehrerwohnung gehörte noch ein Stall, der aus Kuhstall, Schweinestall und Heuboden bestand“.

„Im Lehrzimmer stand rechts der Ofen, auf diesem hatten zeitweise die Hühner ihr Legenest. Es versteht sich,  dass sie von den Schulkindern ausgiebig gefüttert wurden, ebenso  dass von dem nach Schluss des Unterrichts liegen gebliebenen Brot der Lehrer sein Schwein reichlich fett machen konnte. Das Lehrzimmer war zwischen 7 und 8 Fuß hoch (2.20 bis 2.50 m) und wird im Übrigen als sehr klein bezeichnet. Die Kinder hockten aufeinander wie Heringe in der Tonne. Drei Fenster gingen nach Südosten, eins nach Westen. Der Weg vom Wohnstübchen des Lehrers in die Küche und umgekehrt führte -die Familienangehörigen immer durch das Lehrzimmer. Eine schwarze Wandtafel war vorhanden. Die Kinder saßen auf Bänken, die größeren an Tischen“.

„Lehrgegenstände und Lehrmittel: Bis 1816 wurde nichts gelehrt als mittwochs und samstags Religion, an den übrigen Togen Lesen, Schreiben, Rechnen. Den Mädchen war die Teilnahme am Schreiben und Lesen freigestellt. Das Rechnen beschränkte sich auf die vier Grundrechnungsarten mit unbenannten Zahlen. Für den Religionsunterricht wurde der Katechismus und eine Biblische Geschichte gebraucht. Diese war gleichzeitig das Lesebuch für die größeren Kinder. Zum Buchstabierleseunterricht diente ein ABC-Buch. Der Unterricht in Schönschreiben erfolgte durch Vorschreiben. Bücher zu den einzelnen Lehrgegenständen waren nicht vorhanden“.

Der Schulbesuch (die Schulpflicht) begann mit dem beendeten 7. Lebensjahr. Die Mädchen wurden mit dem 12. oder 13., die Buben mit dem 14. Jahre aus der Schule entlassen. Allerdings veranlassten bessere oder schlechtere Befähigung Ausnahmen. Im Sommer war nur sonntags zwischen 12 und 1 Uhr Schule. Die Winterschule nahm Allerheiligen ihren Anfang und dauerte bis Weißen Sonntag. Auf Grund der beengten räumlichen Schulverhältnisse wurde noch ein zum 2ten Lehrzimmer „tauglicher Saal“ durch den damaligen Ortsschulvorstand und Herrn Justizrat Magdeburg im Ort ausersehen.

,,Es ward ein Zimmer in dem von Schützchen Haus auf der Beun – bewohnt von Anton Fachinger – als zweckdienlich erklärt. Es hatte indessen auch die erforderliche Höhe, den gehörigen Raum und die erwünschte Heilung, war auch mit einem ganz tauglichen Ofen versehen. Die Gemeinde musste die Reparatur- und Einrichtungskosten tragen, sowie auch die erforderlichen neuen Fenster besorgen. Anton Fachinger erhielt jährlich für dieses Zimmer 30 fl (Gulden) und zwei Klafter Holz zum Heizen. Beck war der erste, welcher hier mit der zweiten Abtheilung arbeitete und ich der 2te und letzte“.

So lesen wir in den Aufzeichnungen des Herrn Heinrich Berninger aus dem Jahre 1829. Wegen der „Untauglichkeit des alten Schulhauses und der bedeutenden Miethe vom 2ten Lehrzimmers wurde das Bedürfniß eines neuen Schulhauses recht fühlbar“ und alsbald wurden die nötigen Mittel beschafft, das Grundstück von dem Notar Schmitts für 169 fl (Gulden) gekauft und am 8. April 1828 der Grundstein gelegt. Nach den Herbstferien 1829 konnten die Schulkinder und Lehrer den Einzug in die schöne neue Schule feierlich begehen. Der Lehrer Berninger schreibt hierzu:

„Es war wirklich etwas eignes zu sehen, wie die Schüler die Lautiermaschine, ein anderer mehrere Lesetafeln, ein dritter die Einheitstabelle brachte, um es an die neue längst gewünschte Lehrstätte zu befördern. Lehrer und Schüler glaubten nun wieder eine neue Ursache zu haben, mit regerem Fleiße und ausdauernder Kraft zu lehren und zu lernen“.

Autor: Rudi Otto (Auszug aus dem Eisenbacher Heimatbuch, 1984)

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