Das Kriegsende in Eisenbach

Ein Zeitzeugenbericht von Rita Brahm

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Ich bin am 14. März 1936 geboren. Wenige Wochen nach meinem 9. Geburtagstag erhielt ich mein vielleicht schönstes Geschenk, das Ende der furchtbaren Krieges. Doch zuvor erlebten wir noch Tage voller Angst.

Jeder wusste, dass der Krieg verloren war, die Meisten sehnten auch das Ende herbei. SS-Soldaten glaubten das noch nicht so ganz und leisteten zum Nachteil der Eisenbacher Bevölkerung Widerstand gegen amerikanische Truppen, die an der Autobahn oberhalb von Niederselters lagen und Eisenbach ob der Gegenwehr beschossen. Gottseidank setzte abends um 20.00 Uhr öfters eine Feuerpause ein.

Ich wohnte mit meiner Mutter Franziska Schwan geborene Hartmann und meinen jüngeren Geschwistern Bernd, 3 Jahre alt, und Gislinde, 7, in einem Haus in der Wilhelmstraße 22. Vater Bernhard Schwan war im Krieg. Es waren ohnehin kaum noch Männer zu Hause. Die Häuser waren überwiegend in Holz- und Lehmbauweise errichtet, mit Holzbalken als Stützen wurden sie vorsorglich gegen Einstürzen bei Beschuss gesichert. Ich erinnere mich auch noch an gegrabene Höhlen oder Gräben auf dem Gelände gegenüber dem Haupteingang des Friedhofes. Das Gefälle und die Höhlen boten besseren Schutz bei Beschuss.

In unmittelbarer Nähe zu unserem Wohnhaus befand sich das Schwesternhaus. Es war aus Steinen gebaut und hatte einen Gewölbekeller, der aus Backsteinen gemauert war. Die massive Bauweise aus Stein bot höheren Schutz  Das Haus wurde von 5 Schwestern der Armen Dienstmägde Jesu Christi geführt. Die beste Erinnerung habe ich an Schwester Edberta, weil sie unsere Kindergärtnerin war.

Wenn Eisenbach von den Amerikanern beschossen wurde, flüchtete meine Mutter mit uns Kindern in den Gewölbekeller des Schwesternhauses. Dort versammelten sich dann immer etwa 20 Personen. Am Gründonnerstag, den 29. März 1945, nutzte auch die massive Bauweise nichts mehr, das Haus wurde voll getroffen. Fast allen gelang, total verstaubt, die Flucht aus dem Gebäude, Trümmer konnten zur Seite geräumt und ein Fluchtweg geebnet werden. Befreit und etwas zu sich gekommen wurde beim Zählappell festgestellt, dass der kleine Heinz Hartmann fehlte. Mutige Leute drangen wieder in das fast vollständig zerstörte Haus ein und konnten Heinz lebend finden. Balken und anderer Schutt hatten ihn eingeklemmt, er konnte sich nicht selbst befreien. Andere halfen ihm und so gelang auch ihm die Flucht aus den Trümmern.

Vier bis fünf mutige Männer übernahmen Verantwortung, sie verließen Eisenbach und signalisierten mit weißen Fahnen den Amerikanern, dass sie seitens der Bevölkerung keinen Widerstand mehr zu erwarten hatten. 2 Tage später, es müsste Ostersamstag gewesen sein, zogen die Amerikaner mit LKW und Jeeps in Eisenbach ein. Unser Haus war nur gering beschädigt, die Scheiben waren zerborsten.

Gottseidank war für uns der Irrsinn Krieg vorbei. Es brauchte noch bis zum 7. Mai 1945, bis Deutschland endgültig kapitulierte.

Das Glück war cirka 3 Wochen später perfekt, der Vater kehrte nach Hause zurück. Er hatte sich mit dem Fahrrad von Leipzig bis nach Eisenbach durchgeschlagen. An ein Loch in seinem Hut kann ich mich noch erinnern, dort war ein Granatsplitter durchgeschlagen. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an die Erzählungen meines Vaters, große steinerne Abflussrohre dienten bei Bombenangreiffen als Schutz vor Granatsplittern.

 

Rita Brahm geb. Schwan

 

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