Bislang einziges Foto des US-Angriffs 1945 auf Eisenbach entdeckt

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Es war ein typischer Tag für März. Der Himmel bedeckt, das Thermometer zeigte 8 bis 13 Grad an und die Luft war feucht. Wenige Tage zuvor überschritt dIe 3. US-Armee den Rhein bei Remagen und südlich Koblenz bei Boppard.

Kurz vorher hatte die 6. Gebirgsdivision der Waffen-SS „NORD“ den Rhein bei Boppard überquert.

Die SS-Nord kämpfte die meiste Zeit während des Krieges gegen die rote Armee in Lappland, Nordfinnland. Es waren kampferprobte Veteranen, geprägt von harten Kämpfen. Anfang 1945 wurde die Division an die Westfront verlegt, zur Verstärkung der deutschen Einheiten im Kampf gegen die US-Armee.

Dort kam es zu schweren Kämpfen im Raum Trier-Mosel und hohe Verluste seitens der Waffen-SS. Vor Überquerung des Rheins gab es fast einen Totalverlust aller schweren Waffen, wie Panzer und schwere Artillerie, da diese zurückgelassen werden mussten.

Zunächst hatte man den Auftrag Wiesbaden zu verteidigen. Dann jedoch erhielt man den Befehl Limburg an der Lahn zu verteidigen. Die Befehle und Ereignisse überschlugen sich, es ging hin und her. So heißt es beispielsweise:

Vorrücken der US-Armee in Südhessen, 26. März 1945.

Das Lagebuch des Wehrmachtsführungsstabs hält fest: Aus dem Brückenkopf von Remagen gelang den Amerikanern der Durchbruch. Das LXVII. AK [Armeekorps der deutschen 15. Armee] wurde überrollt; feindl. Spitzen kamen bis in den Raum Limburg. Dagegen eingesetzt die Pz.-Lehr-Div., zu der noch die 2. VGD. herangezogen wird. Von Süden wird die 11. Pz.-Div. und die 6. SS-Geb.-Div. herangeholt. Versucht wird ein Widerstand in der Linie Dill-Lahn-Sieg.

Immer dicht gefolgt von den Amerikanern

Laut Angaben des Generals der 6. SS-Nord Karl Brenner, waren es angeblich ca. 2000 Mann, davon 1.000 Mann Tross und 1.000 Mann Kampftruppen. Höchstwahrscheinlich insgesamt sehr viel weniger.In Annahme, sich im hessisch-bayerischen Grenzgebiet mit einer angeglich großen Division der Wehrmacht zu vereinigen, befahl der SS-General seine Soldaten in dieses Gebiet. Diese Annahme sollte sich später als falsch erweisen.

Damit der Tross und ein Großteil der Kampftruppen nicht eingeschlossen wurde und um einen störungsfreien Rückzug zu ermöglichen, hatten SS-Soldaten den Auftrag die US-Soldaten in unserem Gebiet solange wie möglich aufzuhalten.

Die 9. US-Panzerdivision stieß von Limburg in Richtung Frankfurt am Main vor. Entlang der Autobahn von Limburg bis Idstein gab es immer wieder Attacken der Waffen-SS. Der Stab der SS-Division lag für wenige Stunden in Schwickershausen. Das Gros der verbliebenen SS-Soldaten hatte sich in und um Camberg festgesetzt. Es herrschte stundenlanger Beschuss Cambergs durch Einheiten der 76. US-Infanteriedivision, der zu Beschädigungen an Gebäuden, so z. B. das Dach des Untertorturms, führte.

Oberhalb Niederselters an der Autobahn griff die Waffen-SS US-Panzer und US-Soldaten an. Aus dem Niederholz – und vor allem aus dem Winterholz – verwickelten die Deutschen die Amerikaner in Kämpfe mit Verlusten auf beiden Seiten. Es gab Gefallene und Verwundete, sowie deutsche Gefangene.

Von Kirberg-Dauborn kommend rückte die 87. US-Infanteriedivision den Dauborner Weg hinauf.
Die SS-Artillerie stand bei Eisenbach. Mit leichten Geschützen nahmen sie die US-Soldaten unter Feuer. Die Amerikaner erwiderten das Feuer.

Beschuss Eisenbachs durch Artillerieeinheiten der 87. US-Infanteriedivision am Gründonnerstag

Die verbliebenden SS-Soldaten der Nord hatten sich allerdings kurz zuvor abgesetzt über Usingen in Richtung Friedberg, wo Sammelpunkt war, um dann weiter in Richtung Büdingen zu gelangen.

Nachdem die Waffen-SS Eisenbach geräumt hatte, verminten SS-Pioniere die Hessenstraße im Bereich zur Abfahrt Haintchen, bevor das 345. Regiment der 87. US-Infanteriedivision – von Eisenbach kommend – nach Haintchen vorrückte. An der Gemarkungsgrenze Haintchen-Hasselbach kam es zu Feuergefechten. Überall wo die SS-Nord aktiv wurde, gab es Gefallene und Verwundete. Auch waren fast immer zivile Tote und Verletzte zu beklagen.

Angeblich stießen ca. 600 Offiziersanwärter der Offiziersschule Weilburg an der Lahn in Schwicksershausen zur NORD, welche aber keine Verwendung fanden zur Verteidigung Eisenbachs und Cambergs. Der SS-General setzte sie erstmals an der Autobahn bei Würges ein. Es tobten vor allem heftige Gefechte bei Schmitten im Taunus, mit Verlusten auf beiden Seiten. Die Dörfer im Taunus wurden zum Teil stark zerstört.

Den deutschen Zivilisten fehlte der Überblick, sodass auch die Eisenbacher Bevölkerung die SS-Soldaten für einzelne, vermeintliche Versprengte hielt.

Fotograf Charles A. Sullivan

Viele SS-Soldaten der NORD kämpften oft bis zur völligen Erschöpfung und Selbstauflösung, gemäß ihrem Ethos. Es entsteht der Eindruck, dass sie lieber im Kampf gestorben sind, als zu kapitulieren. Es gibt auch Berichte, wonach manche desertierten und Fahnenflucht beginnen, was bei Todesstrafe verboten war. Indizien sprechen für Erschießungen von Deserteuren aus den eigenen Reihen. Beweise gibt es allerdings nicht.

Da dem General Karl Brenner und seinem Stab bei Büdingen bewusst wurde, dass es keinen größeren Veband der Wehrmacht gab, entschlossen sich quasi alle zum Endkampf bis zur letzten Patrone, ohne Rücksicht auf die deutsche Zivilbevölkerung oder dem eigenen Leben. Die schweren Gefechte mit der 71. US-Infanteriedivision forderten schwere Verluste. In Folge dessen sind zwei Dörfer fast total zerstört worden. Die Reste der NORD wurden aufgerieben und gingen in Kriegsgefangenschaft. Das 11. Jägerregiment der 6. Gebirgsdivision der Nord war vollständig zerschlagen. In der US-Gefangenschaft zeigten sie sich trotzig und nicht sehr kooperativ.

Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn dem SS-General bereits in der heimischen Region bewusst geworden wäre, dass es keine Armee gab. Wohlmöglich hätte er sich bereits hier zum Endkampf entschieden, was dasselbe Schicksal wie der Ortschaften bei Büdingen für hiesige Ortschaften bedeutet hätte. Mit wahrscheinlich noch mehr Zerstörungen und Toten als es tatsächlich gab.

Die Waffen-SS hat verbissen Camberg gehalten. Laut Aussage eines deutschen Zeitzeugen aus Bad Camberg wollte der Kommandierende US-Offizier der 76. US-Infanteriedivision Luftunterstützung anfordern, sollte sich die Waffen-SS nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ergeben haben. Glücklicherweise hatet die SS vorher Camberg verlassen, sodass eine Bombardierung Cambergs und den umliegenden Ortschaften ausblieb.

So sind wir alles in allem glimpflich davon gekommen, trotz der Zerstörungen und zivilen Toten.

Autoren: Christian Heinz / Frank Noll

1 KOMMENTAR

  1. Die Oma hat immer Erzählt das in der Feldstraße bei der Milch Greta ( Feldstraße ) die SS gelegen hätte. Der alte Hr. Kram ( Ollop ) sei mit einer weißen Fahne in Richtung Hessenstraße gegangen um Eisenbach zu Schützen. Keine Ahnung ob das stimmt. Aber wenn ich das hier Lese kommt das wieder alles zurück ins Gedächtniss.

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